Toxische Harmonie: Wenn man Konflikte und Probleme einfach weg harmonisiert

von | Nov. 29, 2025

Bist du eher ein Mensch, der Konflikte mag, oder einer, der Konflikten gerne aus dem Weg geht?

Kennst du den auch, dieser: „Alles gut!“ Satz?

Warum „Alles gut“ nicht immer gut ist

Mich nervte dieser Satz früher – heute macht er mich eher bestürzt! Vor allem, wenn ich ihn von Kindern und jungen Erwachsenen höre. Denn das Wegbügeln und „Klein reden“ von Themen (es müssen nicht immer gleich Probleme sein) hilft uns nicht, in wirklich anspruchsvollen Lebenslagen lösungsorientiert und konfliktfähig zu werden. Das, was wir nicht regelmäßig üben, fällt uns schwer – und wir haben keine Lösungsstrategie, wie wir in wirklich anspruchsvollen Konflikten weiterkommen.

Themen immer nur unter den Teppich zu kehren, hilft zwar kurzfristig, langfristig macht es aber vieles nur schlimmer!

Die Folgen toxischer Harmonie

Toxische Harmonie aufrechtzuerhalten, kostet irre viel Energie, erhöht den persönlichen Stress-Level ungesund und führt unweigerlich zu Symptomen, die wir körperlich spüren können: Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafprobleme…

Wir versuchen die Kontrolle aufrechtzuerhalten und verwenden unglaublich viel Energie darauf, den Konflikt unter dem Teppich zu halten. So sehr, dass wir keinen Blick mehr für unser Umfeld und die Menschen haben, die uns wichtig sind.

Warum tun wir es trotzdem?

Ich denke, die Wahrheit ist: Es gibt unzählige Gründe, warum wir diese Vermeidungsstrategie wählen und nicht den Konflikt. Die wichtigsten aus meiner Perspektive sind die folgenden:

1. Wir sind zu bequem!
Menschen streben nach Kohärenz. Es ist viel einfacher, Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, als einen Konflikt zuzulassen! Ein Konflikt erfordert immer die Anstrengung, einen Perspektivwechsel zuzulassen, die Dinge aus anderen Perspektiven zu sehen und Meinungen zu analysieren, die nicht die eigenen sind.

2. Es droht Verlust!
In einer Auseinandersetzung müssen die Parteien aufeinander zugehen, Kompromisse eingehen – das macht Arbeit und führt eventuell auch dazu, Zugeständnisse zu machen, sich im schlimmsten Fall zu verändern oder sich anzupassen.

3. Es fehlt Mut!
Vielleicht ist es der Wunsch nach Harmonie, nach Frieden und vermeintlichem Glück, der uns davon abhält, einen Konflikt anzugehen.

4. Wir haben es einfach nicht gelernt!
Konflikte zu lösen ist eine soziale Kompetenz, die man lernen muss. Viele empfinden Konflikte direkt als Streit, Trennung oder überschwallende Emotionen. Vielleicht droht sogar der Verlust einer Beziehung.

Der entscheidende Punkt: Fehlende Konfliktkultur

„Wir haben es einfach nicht gelernt“ ist aus meiner Sicht der Kern des Problems. Denn Konflikte konstruktiv zu lösen ist eine Sozialkompetenz, die wir aktiv erwerben und trainieren müssen – genau wie Fahrradfahren oder Schwimmen.

Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, richtig oder falsch. Es gibt völlig unterschiedliche Wahrnehmungen, Perspektiven und Persönlichkeiten. Niemand denkt gleich, niemand ist gleich – selbst wenn wir das Gefühl haben, seelenverwandt zu sein, entstehen Situationen, in denen wir unterschiedlicher Meinung sind.

Der Preis des Wegsehens

Wenn wir uns in toxischer Harmonie retten oder alle Themen „weg harmonisieren“, lassen wir entscheidende Emotionen verkümmern: Wut, Enttäuschung, Verzweiflung, Angst, Trauer, um nur einige zu nennen. Wir spalten sie ab, um in scheinbarer Harmonie zu leben. Doch diese abgespaltenen Gefühle verschwinden nicht – sie grummeln unter der Oberfläche weiter und können sich irgendwann unkontrolliert Bahn brechen.

Was können wir also tun?

Was können wir also tun, wenn uns mal wieder „alles gut“ entgegengeträllert wird, obwohl offensichtlich nichts gut ist?

Der Schlüssel liegt im achtsamen Ansprechen. Wir können das benennen, was wir spüren und wahrnehmen, zum Beispiel mit Sätzen wie:

  • „Ich nehme aber wahr, dass du…“
  • „Wenn ich an deiner Stelle wäre…“
  • „Ich bewundere, wie du mit der Situation umgehst“

Indem wir die Situation so anerkennen, wie wir sie wahrnehmen, öffnen wir einen Gesprächsraum. Wir zeigen echtes Interesse und laden zum Dialog ein – ohne zu drängen oder zu bewerten.

Das Spiegeln dessen, was wir beim anderen sehen, ermöglicht einen Perspektivwechsel. So entsteht ein besseres Verständnis füreinander, und oft zeigt sich dann auch der Weg zu einer passenden Lösung wie von selbst.


Fazit: Konflikte gehören zum Leben dazu – und das ist auch gut so. Denn nur wenn wir lernen, konstruktiv mit ihnen umzugehen, wachsen wir als Menschen und stärken unsere Beziehungen nachhaltig.

Du möchtest lernen, wie du Konflikte konstruktiv angehst und toxische Harmonie hinter dir lässt? Im Coaching trainieren wir gemeinsam diese wichtige Sozialkompetenz – in einem geschützten Raum, in dem du neue Strategien ausprobieren und einüben kannst. Buche gerne ein kostenloses Erstgespräch mit mir, und wir schauen gemeinsam, wie ich dich auf diesem Weg unterstützen kann.

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